Minden: Freischießen-Schützen nehmen an Olympischen Spielen teil

Freischießen Minden Olympia 2016

Aufmerksame Beobachter rätselten bereits beim Mindener Freischießen 2014 bei der Königsproklamation, warum einige Zylinderträger Olympia-Logos an ihren Zylindern trugen. Foto: privat

Minden (MiPo). Wenige Tage nach der offiziellen Bekanntgabe, dass das Mindener Freischießen um ein Jahr verschoben wird, ist die Katze aus dem Sack – oder besser: der Zylinder aus dem Schrank. Die wahren Hintergründe für die Verschiebung der Traditionsveranstaltung von 2016 auf 2017 sind nicht irgendwelche Weltmeisterschaften, die Besucher abhalten könnten, sondern die Teilnahme des Mindener Bürgerbataillons an den Olympischen Spielen im kommenden Jahr in Brasilien.

Wenn vom 5. bis 21. August 2016 die Weltelite des Sports in Rio de Janeiro aufläuft, dann sind einige Mitglieder einer Kompanie des Mindener Bürgerbataillons bei den Spielen dabei. „Wir haben fünf Kameraden bei den 31. Sommerspielen als aktive Olympioniken“, verlautete am Karfreitag aus Kreisen der 5. Bürgerkompanie, die im vergangenen Jahr beim Freischießen den ersten König stellte. Welche Mindener das sind, wollte keiner der befragten Zylinderträger der Minden-Postille sagen. „Das bleibt bis wenige Wochen vor Olympia geheim.“ In der 333-jährigen Geschichte des Freischießens ist dieses das erste Mal, dass Bürgerschützen eine solche, international beachtete sportliche Qualifikation schafften.

Dabei war im vergangenen Jahr beim Freischießen bereits einigen aufmerksamen Beobachtern aufgefallen, dass verschiedene Mitglieder des Bürgerbataillons bei der Königsproklamation an ihren Zylindern kleine Logos mit den Olympischen Ringen trugen (s. auch Foto). Monatelang konnte jedoch keiner genau erklären, was diese Kennzeichnung zu bedeuten hatte – bis in dieser Woche dann Stadtmajor Heinz-Joachim Pecher Bürgermeister Michael Buhre offiziell darüber informierte, dass die Traditionsveranstaltung um ein Jahr verschoben werde. Eine Information, die schon Tage vorher an verschiedenen Mindener Stammtischen heftigst diskutiert wurde, weil keiner die genauen Hintergründe kannte.

Die fünf Kameraden, die an Olympia in Brasilien teilnehmen, sollen nach MiPo-Informationen erfahrene Schützen und schon seit Jahren mit ihren Holzgewehren beim Freischießen mitmarschiert sein. In Rio de Janeiro werden sie beim Doppeltrap am Start sein und um Medaillen kämpfen. Diese olympische Schießsportdisziplin ist noch eine sehr junge, international eingeführt im Jahr 1988. Mit Schrotflinten der Kaliber 12, 16 oder 20 wird auf Wurftauben geschossen. Dabei wird jeweils auf zwei Wurftauben – Doublette genannt – gezielt, die von einer starren und von einer beweglichen Wurfmaschine mit 15 Grad Neigungswinkel hinausgeschleudert werden. Das Schrotgewicht ist nicht schwerer als 28 Gramm. Nach jeder Doublette wechselt, wie beim Trap, der Schütze den Stand. Geschossen wird meistens aus fünf Ständen heraus.

Nach den ersten beiden Durchgängen mit insgesamt 100 Tauben nehmen die 24 besten Schützen am Halbfinale teil, in dem auf 50 Tauben geschossen wird. Danach ermitteln wiederum die sechs besten Schützen, ein weiteres Mal auf 50 Tauben, den Sieger. Im Halbfinale und Finale sind die Ziele mit Farbpulver gefüllt, sogenannte Flash-Tauben.

Die Olympischen Spiele 2016 finden in Rio de Janeiro statt. Foto: PR

Die Olympischen Spiele 2016 finden in Rio de Janeiro statt. Foto: PR

„Wir rechnen mit guten Ergebnissen, weil die Kameraden bei den vergangenen Freischießen beim Scheibenschießen in der Rathaus-Tiefgarage immer sehr gut getroffen haben. Mit Schrot werden sie dann wohl die Olympia-Tauben (wobei nicht die weißen Friedenstauben gemeint sind | Anm. d. Red.) erst recht treffen“, so ein Mitglied des Mindener Bürgerbataillons, das ungenannt bleiben möchte.

Das Sportschießen war bereits 1896 in Athen eine der olympischen Disziplinen, wie auf Wikipedia nachzulesen ist. Einer der Gründe war vermutlich, dass der Begründer der Spiele der Neuzeit, Pierre de Coubertin, ein begeisterter Pistolenschütze war. Erster Wettbewerb war das Militärgewehrschießen über 200 Meter. Der Sieger Pantelis Karasevdas war der einzige, der mit allen Schüssen das Ziel traf. Der zweite Wettbewerb, das Militärpistolenschießen, wurde von zwei US-amerikanischen Brüdern dominiert. Um die Gastgeber vor einer weiteren Blamage zu bewahren, beschlossen die Brüder, dass nur einer von ihnen im freien Pistolenschießen antreten würde.

Mit Ausnahme von St. Louis 1904 und Amsterdam 1928, war das sportliche Schießen immer Bestandteil des olympischen Programms. Die Frauen nehmen seit Los Angeles 1984 in getrennten Wettbewerben teil, früher konnten sie (ab 1968) in die „Männer-Teams“ integriert werden. Da es beim Mindener Bürgerbataillon keine Frauen als Kompanie-Mitglieder gibt, werden aus Minden also definitiv fünf Männer in Rio de Janeiro antreten.

(c) Minden-Postille.de | Autor: Hans-Jürgen Amtage | Achtung, Satire!

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